Mit dieser Seite möchte ich dazu beitragen, ein Vorurteil aus der Welt zu schaffen. Und zwar jenes, dass amerikanisches Bier grundsätzlich schlecht wäre. Dass dieses Vorurteil überhaupt existiert, liegt wohl daran, weil der Markt von den großen Brauereien dominiert wird, die etwas produzieren, was jeden ansprechen soll aber keinen Charakter mehr hat. Die Namen kennt jeder und deshalb will ich mich auch nicht lange mit damit aufhalten und herum philosophieren (das können andere sowieso besser), sondern nur ein paar der kleinen, feinen Brauereien vorstellen, die ich hier bisher entdeckt habe. Zwar ist das Bier dieser Brauereien etwas teurer, und man bekommt kein Modellauto mit jedem größeren Karton, aber dafür sind die Verpackungen teilweise sehr schön gemacht, und somit gibt es zum guten Bier noch etwas zum Anschauen.
Was es in Ontario nicht gibt, sind Biere US-amerikanischer Microbreweries. Nur Biere der großen und alten Marken wie Budweiser oder Pabst sind hier vertreten. Deshalb komme ich von meinen Touren in die USA immer mit einem oder zwei Kartons Bier im Kofferraum zurück.
Seit ich diese Seite vor gut 18 Jahren gestartet habe, hat sich vieles getan. Neue Microbreweries tauchen in Ontario fast wöchentlich auf, und es ist mir unmöglich, damit auf einer Internetseite Schritt zu halten. Daher musste ich den Character dieser Seite etwas ändern. Es gibt jetzt nur noch sporadisch Kommentare und Links zu speziellen Brauereien, je nachdem wie ich sie entdeckt habe.
Verpackungseinheiten und Vertrieb
Ist vielleicht auch mal ganz interessant, weil es so anders als in Deutschland ist. Den guten deutschen Kasten kennt man hier nicht. Es gibt entweder Pint Dosen oder Kartons mit 6 – 24 Flaschen. Das Bier der Microbreweries wird fast ausschließlich nur in Dosen angeboten.
Gekauft hat der Kanadier sein Bier in Ontario lange Zeit lang nur entweder im Beer Store oder im LCBO. Seit einiger Zeit können auch Supermärkte und Tankstellen bestimmte alkoholische Getränke anbieten. Pfand gibt es auf alle Flaschen und Dosen. Eingelöst werden kann der aber nur in den Beer Stores.
Creemore Springs

Mein Favorit! Und auch der vieler meiner kanadischen Kollegen. Das Lager schmeckt malzig, so wie einige belgische Biere, aber nicht zu sehr, dass es störend sein könnte. Der hohe Malzgehalt gibt em Bier auch eine sehr schöne Bernsteinfarbe.
Interessanterweise bietet Creemore Springs zu bestimmten Jahreszeiten sogar ein Bockbier an, und das ist wirklich gut und braucht den Vergleich mit deutschen Bockbieren nicht im Geringsten zu scheuen. Ganz im Gegensatz zu vielen „Strong Beer“, die hier verkauft werden.
Creemore ist eine kleine Stadt im Norden von Toronto, ungefähr 25 km südlich von Wassaga Beach. Ein Besuch lohnt sich, denn die Hauptstraße sieht ein bisschen so aus, als ob dort die Zeit seit 100 Jahren stehengeblieben ist (zumindest, wenn man sich die vielen SUVs wegdenkt).
Leider ist die Brauerei vor einiger Zeit von Molson (größtes Brauereiunternehmen in Kanada, „Canadian“) übernommen worden. Das hat zum Glück noch keine Auswirkungen auf den Biergeschmack. Aber das 8er Pack Pint Flaschen wurde erst durch ein 8er Pack Dosen und schließlich durch ein 12er Pack Dosen ersetzt. Finde ich jetzt nicht soo schlimm. Auch wenn das jetzt vielleicht gegen mich spricht, aber ich finde Bierdosen eigentlich ganz praktisch.
Steamwhistle

Interessant an dieser Brauerei ist vor allem der Standort. Steamwhistle ist nämlich in einem umgebauten Lokschuppen (daher auch der Name) direkt neben Toronto’s CN Tower untergebracht. In Gegensatz zu den meisten anderen Brauereien produziert Steamwhistle nur eine Sorte Bier. Es ist ein Pilsener mit einem schönen weichen Hefegeschmack.
Während einer Promo Aktion konnte ich diesen schönen Steamwhistle Humpen ergattern. In Nordamerika heißen übrigens alle Bierkrüge mit Henkel „Stein“, egal ob sie aus Glass oder Steinzeug gemacht sind.
Great Lakes
Nicht zu verwechseln mit der Great Lakes Brauerei in Cleveland. Auch wenn Great Lakes mehr oder weniger bei mir um die Ecke liegt, habe ich sie bisher noch nicht besucht. Ein echtes Versäumnis, denn das Bier ist nicht schlecht.
Great Lakes / Cleveland

Hat hier zwar eigentlich nix zu suchen, weil Cleveland in Ohio und somit den USA liegt, ich habe es aber trotzdem in der Liste. Zum einem als Ergänzung zu dem vorangegangenen Bier und zum anderem, weil es wirklich sehr gut ist. Great Lakes hat viele Sorten im Angebot. Das Dortmunder Gold ist ein echtes Export Bier und hat mich schon überzeugt.
Zur Weihnachtszeit gibt es ein Christmas Ale mit weihnachtlichen Gewürzen. Entspricht vielleicht nicht dem Reinheitsgebot, ist aber trotzdem lecker. Leider gibt es dieses Bier nur in Cleveland und Umgebung.
Blanche de Chambly
Und jetzt geht es von den USA nach Québec. Dort gibt es nicht so viele Pilsener, sondern Biere nach belgischer Art werden bevorzugt. Blanche de Chambly wird von der Unibroue Brauerei hergestellt und ist ein White Beer, also ein Hefeweizen und sogar ein trübes. Obwohl ich nicht wirklich ein Weizenbier Fan bin, gefällt mir der fruchtige Geschmack des Blanche de Chambly recht gut. Und das Bild auf dem Etikett hat auch etwas. Chambly liegt östlich neben Montreal, und Biere von Unibroue sollen auch in Deutschland erhältlich sein.
Mill St. Brewery

Mill St. ist eine kleine Brauerei in Toronto. Mill St. wirbt damit, dass in ihren Bieren keinerlei Fremdstoffe enthalten sind (also quasi streng nach Reinheitsgebot gebraut). Daher auch der Name „Organic“. Mill St. ist übrigens im Distillery District beheimatet (auch wenn das Bier dort nicht mehr gebraut wird). Das ist eine ehemalige Destillerie, in der jetzt Geschäfte, Galerien und Restaurants untergebracht sind, und ein Besuch dort lohnt sich!
Sleeman

Sleeman in Guelph ist schon eher eine größere Brauerei, und das Bier ist fast überall in Ontario zu bekommen. Das Cream Ale ist aber deutlich besser als das Angebot der anderen großen Brauereien. Sleeman hatte eine Zeit lang richtig gute Spezialitäten wie das sehr gute India Pale Ale und sogar ein Bock Bier. Aber der Markt für eher exotischere Biere scheint von den Microbreweries so weit abgedeckt zu sein, dass sich Sleeman davon leider zurückgezogen hat.
Amsterdam

Und noch ein Bier aus Toronto. Die Amsterdam Brewing Co. bietet saisonal verschiedene Sorten an. Alle habe ich noch nicht probiert, aber das Natural Blonde ist nicht schlecht.
Old Credit

Die Old Credit Brewing Brauerei hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen liegt sie nur ein paar Kilometer entfernt von mir, und ich kann mir das Bier direkt bei der Brauerei kaufen, und zum anderen hat sie neben den in Kanada üblichen 340 ml auch 680 ml Flaschen im Angebot.
Und es gibt noch viel mehr!
- Einige kleinere Brauereien haben sich zu den Ontario Craft Brewers zusammengeschlossen, und deren Internetseite gibt einen guten Überblick.
- Dann gibt es auch die Canadian Craft Brewers Association.
- In The Bar Towel ging es einmal nur über die Bierszene in Toronto, aber mittlerweile ist diese Internet Gemeinschaft darüber hinaus gewachsen.