Rail Trails in Ontario

In Kanada werden sehr viele Eisenbahnstrecken zurück gebaut. Das ist einerseits sehr schade, auf der anderen Seite gibt es aber Initiativen, die vorhandenen Strecken zu sogenannten Rail Trails auszubauen. Diese Trails sind angenehm zu fahren und haben niemals mehr als 1% Steigung oder 1% Gefälle.

Elora nach Cataract
Eine der längsten und schönsten Rail Trails. Er hat seine eigene Internetseite mit Karten, Bildern und nützlichen Informationen.

Caledon Trailway
Der Caledon Trailway beginnt in Terra Cotta und trifft bei Inglewood auf den Trans Canada Trail, der dort die Verbindung zum Elora Cataract Trail ist. Das Auto stellt man am besten in der Isabella Street ab. Ganz in der Nähe gibt es auch einen Camping Platz (Terra Cotta Conservation Area).

Der Highway 10 ist dort, wo ihn der Trail kreuzt, eher eine Autobahn mit vier Spuren. Glücklicherweise wurde vor ein paar Jahren eine Brücke für die Trail-Benutzer gebaut.

Hinter Palgrave wird die Qualität des Belags leider zu schlecht für die meisten Räder.

Von Hamilton über Caledonia nach Brantford und zurück
Hamilton liegt am westlichen Ende des Ontariosees, gerade zwischen dem See und der Niagara Schichtstufe (Escarpment). Wenn man also noch weiter westwärts möchte, muss man also gezwungenermaßen die 50 Meter Höhenunterschied überwinden, die auch der Grund für die Niagarafälle ist. Zwei Eisenbahnstrecken wurden dafür gebaut, die beide in gut mit dem Fahrrad zu befahrene Trails umgewandelt worden sind, und zusammen zu einem etwa 100 Kilometer langem Rundkurs kombiniert werden können, auf dem es einiges zu sehen gibt.

Zuerst geht in Hamilton den Escarpment Rail Trail hinauf. Je höher man kommt, desto besser wird der Blick über die Stadt zum See.

Oben angekommen geht es auf den schnurgeraden Chippawa Trail nach Caledonia. Der ist zwar auf den letzten Kilometern nicht mehr mit dem Fahrrad befahrbar, das Stückchen bis zu dem pittoresken Städtchen am Grand River fährt man aber auf relativ ruhigen Landstraßen.

Von Caledonia nach Brantford fährt man auf dem Highway 54 entlang des Grand River. Hier kommt man durch ein Indianerreservat und hat Gelegenheit, sich günstig mit Zigaretten und Feuerwerkskörpers einzudecken.

Ein interessantes Ziel in Brantford ist das Wohnhaus der Eltern Alexander Graham Bells. Dort lebte Bell für zwei Jahre, nachdem die Familie in den 1870ern von Schottland nach Kanada übersiedelte.

Der Hamilton-Brantford Trail hat eine Länge von 32 Kilometern und windet sich vor Hamilton in einer lang gezogenen Kurve durch das Dundas Valley Conservation Area vom Escarpment wieder herunter. Hier ist die Strecke am reizvollsten, denn es geht durch dichten Wald. Kurz vor Hamilton lockt der alte Bahnhof zur Pause. Es gibt Sitzgelegenheiten, und man kann Getränke und Snacks kaufen

Von Brantford nach Cambridge
Von Brantford führt ein weiterer Rail Trail weiter immer am Grand River entlang bis nach Cambridge. Damit ergibt sich ein durchgängiger Trail über 77 Kilometer von Hamilton bis nach Cambridge.

Von Brantford nach Port Dover
Und noch ein Rail Trail, der in Brantford startet. Nach Süden geht’s über die Strecke der ehemaligen Toronto, Hamilton and Buffalo Railway bis nach Port Dover. Die Züge, die hier einmal fuhren, hat sogar der kanadische Musiker und Musik Produzent Daniel Lanois in einem Lied besungen. Heute pflegt jede Gemeinde, durch die der Trail führt, ihn auf ihre Weise, und daher radelt man durch vier ganz unterschiedliche Abschnitte. In Brantford startet man auf dem TH&B Rail Trail. In Waterford wird er dann zum Waterford Heritage Trail, der in Simcoe auf den Norfolk Sunrise Trail übergeht. Das letzte Stück von Simcoe nach Port Dover ist der Lynn Valley Trail.

Georgian Trail
Der Trail verläuft entlang der Georgian Bay über 35 Kilometer von Collingwood nach Meaford. Das Gebiet ist im Sommer wie auch im Winter ein beliebtes Kurzurlaubsziel. Im Sommer wegen des Strands bei Wassaga Beach, und im Winter wegen der Skipisten in den Blue Mountains. Entsprechend viel wird auch für den Tourismus gemacht, und es gibt mehrere Trails, die alle hervorragend gepflegt und ausgeschildert sind.

Und wer jetzt noch fit ist, kann sich auf den Anstieg auf die Blue Mountains begeben. Der Ausblick von oben lohnt die Mühe allemal.

Tay Rail Trail
Der Tay Rail Trail erstreckt sich nördlich von Barry von Midland bis zum Highway 400 an der Georgian Bay und befindet sich über eine Strecke von 26 Kilometern in einem hervorragenden Zustand. Fast komplett geteert ist er auch für Inline Skater bestens geeignet.

Sainte-Marie Among the Hurons ist der Nachbau eines Forts aus dem 17. Jahrhundert. Hier versuchten Jesuiten von 1639 bis 1649 vergeblich, amerikanische Ureinwohner zum christlichen Glauben zu bekehren. Im 20. Jahrhundert wurde das Fort auf den original Fundamenten wieder aufgebaut.

Von Guelph nach Wallenstein (Kissing Bridge Trail)
Das klingt schon ziemlich Deutsch. Und in der Tat, dieser Trail führt mitten durch das Land der Mennoniten, die Ende des 17. Jahrhunderts von Deutschland erst nach Pennsylvania und 100 Jahre später dann weiter nach Kanada gezogen sind.

Die Geschichte der Mennoniten beginnt im 16. Jahrhundert in der Schweiz und Deutschland. Der grundlegende Gedanke der Glaubensgemeinschaft der Täufer ist, dass man die Taufe nur dann empfangen sollte, wenn man auch tatsächlich gläubig und sich dessen bewusst ist (Gläubigentaufe). Somit lehnen sie die Kindertaufe ab und hatten damit zu ihrer Zeit unter Verfolgungen zu leiden. Um dem zu entgehen, gehörten die Mennoniten zu den ersten Auswanderern, die in die neue Welt aufbrachen.

Die Mennoniten in Kanada leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Verkauf ihrer Handwerksarbeiten und Erzeugnisse. Viele verzichten auf moderne Technik, und wenn man durch ihre Gegend fährt, fühlt man sich teilweise wie 200 Jahre zurückversetzt. Äcker werden mit Pferdepflügen bearbeitet, die Kleidung erinnert an historische Filme, kleine schwarze Kutschen (mit echten Pferdestärken) gehören zum Alltagsbild, und es gibt Handwerksbetriebe, die anderswo schon fast ausgestorben sind. Im Ortskern von Wallenstein findet man zum Beispiel eine große Sattlerei.

Es gibt einen alternativen Weg, der die beiden Teilstücke westlich und östlich des Grand River verbindet. Allerdings muss man dazu irgendwie aus dem Hohlweg über einen sehr steilen Anstieg auf den Highway 23. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber nichtsdestotrotz ein Teil des offiziellen Trails.

Dem Highway folgt man erst einmal etwa einen Kilometer nach Süden und biegt dann rechts in den Riverside Drive nach West Montrose ab (ist alles ausgeschildert). Dort kommt man über die letzte überdachte Brücke Ontarios (Kissing Bridge), die dem Trail auch ihren Namen gegeben hat. Die Covered Bridge Road fährt man dann einfach weiter, bis man wieder auf den echten Rail Trail gelangt.

Der Trail hat hier einen guten Belag und man fährt zwischen Feldern entlang. In Wallenstein kann man dann dem Trans Canada Trail bis nach St. Jacobs, dem touristischen Zentrum der Mennoniten, folgen. Es gibt dort Touren, allerlei Läden, die Handgemachtes verkaufen, und einen Wochenmarkt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Wer sich übrigens für die Sprache der ersten deutschen Auswanderer interessiert, sollte sich einmal die Pennsylvania-Deutsche Wikipedia anschauen.

Kawartha Trans Canada Trail und Omemee Rail Trail

Dieser Rail Trail ist ganz schön lang. Über fast 90 Kilometer verläuft der Trail von Uxbridge bis nach Peterborough und wird von den anliegenden Gemeinden gepflegt. Teilweise schnurgerade hat der Trail aber auch einige Highlights wie z.B. die tolle Aussicht von der Threstle Bridge. Bei dem Namen Omemee werden wahrscheinlich einige Rockmusik Fans hellhörig. Genau, hier hat Neil Young seine Kindheit verbracht.