Rail Trails in Ontario

In Kanada werden sehr viele Eisenbahnstrecken zurück gebaut. Das ist einerseits sehr schade, auf der anderen Seite gibt es Initiativen, diese Strecken zu sogenannten Rail Trails für Wanderer und Radler auszubauen. Diese Trails sind angenehm zu beradeln und haben niemals mehr als 1% Steigung oder 1% Gefälle.

Elora nach Cataract
Eine der längsten und schönsten Rail Trails. Er hat seine eigene Internetseite mit Karten, Bildern und nützlichen Informationen.

Elora liegt am Anfang der gleichnamigen Schlucht, durch die sich der Grant River seinen Weg gebahnt hat. Es ist ein beschauliches Städtchen und lohnt einen Wochenendausflug in jeder Jahreszeit.

Der Grand River wird bei Belwood zum Lake Belwood gestaut. Der Trail führt über die Staumauer.

Caledon Trailway
Der Caledon Trailway zwischen Terra Cotta und Tottenham wird hervorragend gepflegt und führt durch abwechslungsreiche Landschaften. Er trifft bei Inglewood auf den Trans Canada Trail, der dort die Verbindung zum Elora Cataract Trail ist. Parkplätze gibt es fast an jeder Kreuzung, wo der Trail die größeren Straßen schneidet.

Der Highway 10 ist dort, wo ihn der Trail kreuzt, eher eine Autobahn mit vier Spuren. Glücklicherweise wurde vor ein paar Jahren eine Brücke für die Trail-Benutzer gebaut.



Auf dem Trail trifft man mit ziemlicher Sicherheit auf allerlei Tiere, wie Kaninchen, Schlangen, Biber, Frösche, Schildkröten oder wie hier, eine Familie wilder Truthähne.


Ab Tottenham liegen auf einem kurzen Stück noch Schienen. Darauf fährt allerdings nur ab und zu mal ein Museumszug aus den 1920er Jahren.

Von Hamilton über Caledonia nach Brantford und zurück
Hamilton liegt am westlichen Ende des Ontariosees, gerade zwischen dem See und der Niagara Schichtstufe (Escarpment). Wenn man also noch weiter westwärts möchte, muss man gezwungenermaßen die 50 Meter Höhenunterschied überwinden, die auch der Grund für die Niagarafälle ist. Zwei Eisenbahnstrecken wurden dafür gebaut, die beide in gut mit dem Fahrrad zu befahrene Trails umgewandelt worden sind, und zusammen zu einem etwa 100 Kilometer langem Rundkurs kombiniert werden können, auf dem es einiges zu sehen gibt.

Zuerst geht es in Hamilton den Escarpment Rail Trail hinauf. Je höher man kommt, desto besser wird der Blick über die Stadt zum See.



Oben angekommen geht es auf den schnurgeraden Chippawa Trail nach Caledonia. Der ist zwar auf den letzten Kilometern nicht mehr mit dem Fahrrad befahrbar, das Stückchen bis zu dem pittoresken Städtchen am Grand River fährt man aber auf relativ ruhigen Landstraßen.

Von Caledonia nach Brantford fährt man auf dem Highway 54 entlang des Grand River. Hier kommt man durch ein Indianerreservat und hat Gelegenheit, sich günstig mit Zigaretten und Feuerwerkskörpers einzudecken.


Ein interessantes Ziel in Brantford ist das Wohnhaus der Eltern Alexander Graham Bells. Dort lebte Bell für zwei Jahre, nachdem die Familie in den 1870ern von Schottland nach Kanada übersiedelte.

Der Hamilton-Brantford Trail hat eine Länge von 32 Kilometern und windet sich vor Hamilton in einer lang gezogenen Kurve durch das Dundas Valley Conservation Area vom Escarpment wieder herunter. Hier ist die Strecke am reizvollsten, denn es geht durch dichten Wald. Kurz vor Hamilton lockt der alte Bahnhof zur Pause. Es gibt Sitzgelegenheiten, und man kann Getränke und Snacks kaufen

Von Brantford nach Cambridge
Von Brantford führt ein weiterer Rail Trail weiter immer am Grand River entlang bis nach Cambridge. Damit ergibt sich ein durchgängiger Trail über 77 Kilometer von Hamilton bis nach Cambridge.

Paris ist ein weiteres schmuckes Städtchen am Grant River. Der Trail führt auf einer Anhöhe an der Stadt entlang und man hat einen schönen Blick auf das Zentrum des Ortes.

Kurz vor Cambridge kommt man an den Ruinen der German’s Woolen Mill vorbei. Erbaut in 1867 war das Gebäude zuerst eine Textilmühle und wurde später wenig erfolgreich als Hotel genutzt, bis es 1946 aufgegeben wurde. Passend zu der Ruine gibt es auch eine Schauergeschichte. Ein Mann wurde im Hotel umgebracht, und der Täter nie gefasst.

Von Brantford nach Port Dover
Und noch ein Rail Trail, der in Brantford startet. Nach Süden geht’s über die Strecke der ehemaligen Toronto, Hamilton and Buffalo Railway bis nach Port Dover. Die Züge, die hier einmal fuhren, hat sogar der kanadische Musiker und Musik Produzent Daniel Lanois in einem Lied besungen. Heute pflegt jede Gemeinde, durch die der Trail führt, ihn auf ihre Weise, und daher radelt man durch vier ganz unterschiedliche Abschnitte. In Brantford startet man auf dem TH&B Rail Trail. In Waterford wird er dann zum Waterford Heritage Trail, der in Simcoe auf den Norfolk Sunrise Trail übergeht. Das letzte Stück von Simcoe nach Port Dover ist der Lynn Valley Trail.

Georgian Trail
Der Trail verläuft entlang der Georgian Bay über 35 Kilometer von Collingwood nach Meaford. Das Gebiet ist im Sommer wie auch im Winter ein beliebtes Kurzurlaubsziel. Im Sommer wegen des Strands bei Wasaga Beach, und im Winter wegen der Skipisten in den Blue Mountains. Entsprechend viel wird auch für den Tourismus gemacht, und es gibt mehrere Trails, die alle hervorragend gepflegt und ausgeschildert sind.

Das beschauliche Städtchen Meaford liegt am Ende des Trails.

Und wer jetzt noch fit ist, kann sich auf den Anstieg auf die Blue Mountains begeben. Der Ausblick von oben lohnt die Mühe allemal.

Tay Rail Trail
Der Tay Rail Trail geht von Midland bis zum Highway 400 an der Georgian Bay und ist komplett geteert. Damit ist er auch für Inline Skater bestens geeignet.

Der Tail führt bei Sainte-Marie Among the Hurons vorbei, einer wieder aufgebauten Missionsstation der Jesuiten aus dem 17. Jahrhundert.

Von Guelph nach Wallenstein
Das klingt schon ziemlich Deutsch. Und in der Tat, der Kissing Bridge Trail führt mitten durch das Land der Mennoniten, die Ende des 17. Jahrhunderts von Deutschland erst nach Pennsylvania und 100 Jahre später dann weiter nach Kanada gezogen sind.



Übriggebliebene Pylonen der Brücke über den Grand River, denn die Brücke über den Grand River gibt es nicht mehr.

Es gibt einen alternativen Weg, der die beiden Teilstücke westlich und östlich des Grand River verbindet. Allerdings muss man dazu irgendwie aus dem Eisenbahnbett über einen sehr steilen Anstieg auf den Highway 23. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber nichtsdestotrotz ein Teil des offiziellen Trails.


Dem Highway folgt man erst einmal etwa einen Kilometer nach Süden und biegt dann rechts in den Riverside Drive nach West Montrose ab (ist alles ausgeschildert). Dort kommt man über die letzte überdachte Brücke Ontarios Kissing Bridge), die dem Trail auch ihren Namen gegeben hat. Die Covered Bridge Road fährt man dann einfach weiter, bis man wieder auf den echten Rail Trail gelangt.

Der Trail hat hier einen guten Belag und man fährt zwischen Feldern entlang. In Wallenstein kann man dann dem
Trans Canada Trail bis nach St. Jacobs, dem touristischen Zentrum der Mennoniten, folgen.

In St. Jacobs gibt es dort Touren, allerlei Läden, die Handgemachtes verkaufen, und einen Wochenmarkt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Die Geschichte der Mennoniten beginnt im 16. Jahrhundert in der Schweiz und Deutschland. Der grundlegende Gedanke der Glaubensgemeinschaft der Täufer ist, dass man die Taufe nur dann empfangen sollte, wenn man auch tatsächlich gläubig und sich dessen bewusst ist (Gläubigentaufe). Somit lehnen sie die Kindertaufe ab und hatten damit zu ihrer Zeit unter Verfolgungen zu leiden. Um dem zu entgehen, gehörten die Mennoniten zu den ersten Auswanderern, die in die neue Welt aufbrachen.

Die Mennoniten in Kanada leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Verkauf ihrer Handwerksarbeiten und Erzeugnisse. Viele verzichten auf moderne Technik, und wenn man durch ihre Gegend fährt, fühlt man sich teilweise wie 200 Jahre zurückversetzt. Äcker werden mit Pferdepflügen bearbeitet, die Kleidung erinnert an historische Filme, kleine schwarze Kutschen (mit echten Pferdestärken) gehören zum Alltagsbild, und es gibt Handwerksbetriebe, die anderswo schon fast ausgestorben sind. Im Ortskern von Wallenstein findet man zum Beispiel eine große Sattlerei.

Wer sich übrigens für die Sprache der ersten deutschen Auswanderer interessiert, sollte sich einmal die Pennsylvania-Deutsche Wikipedia anschauen.

Kawartha Trans Canada Trail und Omemee Rail Trail
Dieser Rail Trail ist ganz schön lang. Über fast 90 Kilometer verläuft der Trail von Uxbridge bis nach Peterborough und wird von den anliegenden Gemeinden gepflegt. Teilweise schnurgerade hat der Trail aber auch einige Highlights wie z.B. die tolle Aussicht von der Threstle Bridge.

Bei dem Namen „Omemee“ werden villeicht einige Rockmusik Fans hellhörig. Genau… hier hat Neil Young seine Kindheit verbracht!

Oro Medonte Rail Trail
Klingt wie Zahnpasta, ist aber der Rail Trail zwischen Orillia und Barrie. Der Name kommt von den dazwischen liegenden Gemeinden Oro und Medonte.