Von Québec City nach Percé

Im Sommer 2011 wurde es mal wieder Zeit für eine richtig lange Fahrradtour. Den St. Lawrence Strom fand ich auf der Fahrt nach Maine über Québec schon recht interessant, also wollte ich da weitermachen, wo ich in 2010 abgebogen bin.

Start und Endpunkt waren schnell bestimmt, denn irgendwie musste ich ja Fahrrad und Gepäck hin und wieder zurück bekommen, also brauchte ich eine Fernzuganbindung. Auf der westlichen Seite war das Québec City, denn den Teil des St. Lawrence zwischen Toronto und Québec City kannte ich ja schon, und auf der östlichen Seite war dann schnell Gaspé bzw. Percé gefunden, den nordöstlichsten Personenbahnhof in Kanada.

Die nächste Frage war Nord- oder Südroute. Die Gegend des Charlevoix auf der Nordseite erschien reizvoller, und ein Kollege, der dorthin einmal im Jahr zum Fischen in die Wildnis fährt, schwärmte mir zudem davon vor. Außerdem wollte ich mir die zumindest die Mündung des Saguenay River anschauen. Dann gibt es auf der Südseite den Parc du Bic, und irgendwie musste ja auch noch nach Gaspé kommen. Wie auch immer, die Tour sollte auf der einen Hälfte im Norden und der anderen im Süden langgehen.

Blieb nur noch zu klären, welche Richtung. Nachdem ich mich über die Windverhältnisse informiert hatte, war auch das klar. Gegenwind wollte ich möglichst vermeiden, und die vorherrschende Windrichtung in der Gegend ist von West nach Ost.

Somit war die Planung geklärt, und hier ist das Ergebnis:

Insgesamt wurde es am Ende fast genau 1000 km Strecke und 10,000 Höhenmeter.

Zuerst fuhr ich mit dem Zug von Toronto über Montréal nach Québec City. Das kann man leider nicht an einem Tag machen, und ich musste somit eine Übernachtung in Montréal in Kauf nehmen. Ein Abend in Montréal ist jetzt auch nicht so schlecht, und über Montréal gibt’s hier eine eigene Seite.

Québec City
Québec City ist eine der ältesten Städte in Nordamerika und hat ein ganz besonderes Flair. Das ist einerseits ganz spannend, aber entsprechend ist auch die Touristenflut.

Das Château Frontenac ist das Wahrzeichen Québecs und eines der am häufigsten fotografierten Hotels weltweit. 1893 erbaut, gehört es heute zur Fairmont Hotelkette und verfügt über 600 Gästezimmer.

Aber auch Québecs Bahnhof ist sehenswert.

Der Chute Montmorency liegt sieben Kilometer östlich von Québec City. Über ihn stürzt der Montmorency River 86 Meter tief in den St. Lawrence. Damit ist dieser Wasserfall 30 Meter höher als die Niagarafälle.

Von Québec City nach Tadoussac
Fährt man von Québec City gen Osten auf der Nordseite des St. Lawrence kommt man nach dem Chute Montmorency in die die Municipalité Régionale (entspricht etwa einem Landkreis in Deutschland) Charlevoix.

Sainte-Anne-de-Beaupré ist die nächste Station auf dem Weg. Die Basilika ist nur eine von mehreren Wallfahrtsorten in Québec. Das Cyclorama zeigt eine Szene im alten Jerusalem.

Cycloramen sind riesige kreisrunde Gemälde, die sich um die Zuschauer drehen (oder umgekehrt) und dabei eine Geschichte erzählen. Sie waren im 18. Jahrhundert in Nordamerika sehr beliebt und waren und mehr oder weniger die Vorläufer der Kinos.

Bei Beaupré geht es auf einer Nebenstrecke ab in die Berge. Mont-Sainte-Anne ist ein beliebtes Skigebiet und nicht weit davon entfernt liegt Les Sept-Chutes, ein Wasserkraftwerk, welches 1916 gebaut wurde und besichtigt werden kann.

Hier mit dem Fahrrad zu fahren, ist wirklich anspruchsvoll. Die Berge sind zwar weder lang noch hoch, aber es gibt viele davon und die Anstiege sind wirklich steil. Bis zu 11% (mehr schaffen die Trucks nicht) auf der Route 138 und sogar bis zu 19% auf der landschaftlich wirklich reizvollen Route 362. Ein paar ebene Kilometer gibt es dort nirgends. Die Trucks werden auf den steilen Stellen auch ziemlich langsam, und wenn man einen Truck vor sich sieht, der gerade die Warnblinker eingeschaltet hat, weiß man als Radler schon, was auf einen zukommt. In drei Tagen hatte somit ganze 200 km geschafft, aber die dafür über 3500 Höhenmeter.

Aber die Gegend ist schön und abwechslungsreich. Nachdem man an vielen Seen vorbei geradelt ist, kommt man irgendwann an den Saguenay.


Nachdem ich mit der Fähre bei Les Ecoumins von der Nord- auf die Südseite des St. Lawrence gewechselt hatte, legte ich erst einmal eine eintägige Pause in Troix Pistoles ein. Zum einen, weil der nächste Tag ein regnerischer war, und zum anderen weil mich die bergige Fahrt auf der Nordseite doch einiges an Kraft gekostet hat, die ich wieder auftanken musste.


Parc du Bic
Der Parc du Bic liegt an der Südseite des St. Lawrence und wurde 1984 eröffnet. Menschen haben hier schon nachweislich vor mehr als 9000 Jahren gesiedelt, und die Fundstellen können besichtigt werden. Die Hauptaufgabe des Parks ist allerdings, die Artenvielfalt des St. Lawrence und auch der angrenzenden Wälder zu schützen. Für Besucher gibt es Möglichkeiten zum Fahrradfahren, Wandern und Paddeln.

Für die Unterkunft bieten sich Campingplätze im Park selbst an, und außerdem gibt es noch Hotels in den anliegenden Gemeinden Rimouski und Trois-Pistoles.


Vom Parc du Bic zum Parc National Forillon
Die Südseite des St. Lawrence ist stark vom Tourismus abhängig. Aber es ist nicht die Maschinerie, die man von anderen Gegenden kennt, sondern irgendwie menschlich und teilweise auch ein bisschen naiv. Es gibt keine großen Resorts für den Pauschalurlauber, sondern kleine Motels, Cantinas und Straßencafés. Cantinas sind Schnellimbisse, wo der ausgehungerte Fahrradfahrer Energie in der Form von Poutine und anderen Kalorienbomben tanken kann.

Aber es gibt noch mehr. So zum Beispiel das Museum bei Pointe-au-Père, das Centre d’Art Marcel Gagnon oder den Parc Mitis.

Bis Rivière-la-Madeleine verläuft die Strecke recht flach immer an der Küste entlang. Das Stück von Madeleine nach Grande-Vallée ist allerdings wieder etwas anspruchsvoller. Die Route 132 entfernt sich hier vom St. Lawrence und verläuft über ein paar Hügel im Landesinneren. Das und mal wieder Regen waren Grund genug, einen Tag Pause in Grande-Vallée einzulegen.

Zwischen Rivière-au-Renard und L’Anse-au-Griffon.


Parc National Forillon

Der Parc Forillon ist ein echter Geheimtipp in Nordamerika. Hier endet der Gebirgszug der Appalachen im Meer, und entsprechend dramatisch ist die Landschaft.

Zwei Tage verbrachte ich hier auf dem kleinen aber feinen Campingplatz am Cap Bon-Ami und hatte abends Besuch von einen Stachelschwein und einem Schwarzbären, der sich sehr für mein Abendessen interessierte.

Es gibt mehrere Trails im Park, die sich alle allein schon wegen der fantastischen Ausblicke lohnen. In den alten Gebäuden auf der Südseite lernt man noch etwas über die Bemühungen, in diesem Teil Québecs eine Fischereiindustrie zu etablieren.


Percé
Percé war die letzte Station der Fahrradtour und auch gleichzeitig einer der Höhepunkte der Reise. Was man hier unbedingt machen sollte, ist zum einen die Bootstour um den Rocher (Fels) zur l’île Bonaventure, und zum anderen eine Tour auf den den Mont Sainte-Anne. Ersteres allein schon wegen der unglaublichen Basstölpelkolonie und zweites wegen dem Blick auf ersteres.

Man kann man hier aber noch viel mehr unternehmen wie Tauchen, Kajak oder ausgedehnte Wandertouren. Außerdem gibt es es historische Gebäude zu besichtigen, Badestrände und alle touristischen Annehmlichkeiten. Wenn die Québec Tour hier vorbeiführt, kann man schon ein paar Tage in Percé einplanen.

Ein Basstölpelpaar beim typischen Kopfschütteln und Basstölpel im Flug.

Auf der l’Île-Bonaventure gibt es noch viele andere Vögel zu beobachten und natürlich auch die Robben in der Baie des Marigots.


Von Percé zurück nach Toronto
Den Weg zurück habe ich dann wieder mit dem Zug bewältigt. Der „Le Chaleur“ schafft die Strecke von Gaspé nach Montréal in 18 Stunden. Es geht direkt am der Küste der Chaleur Bay entlang, und die Ausblicke vom Panoramawagen sind atemberaubend.


Mehr Infos
La Route Verte ist die Quelle für Informationen zum Fahrradfahren in Québec. Dort kann man auch den offiziellen Québec Fahrrad Guide beziehen.

Achja, und wenn man Québec wirklich verstehen möchte, sind französische Sprachkenntnisse ein Muss. In Nordamerika hat Québec vor allem wegen der sprachlichen Abgrenzung eine ganz eigene Kultur entwickelt, die wesentlich weniger von den USA beeinflusst ist als die anderer Provinzen in Kanada.