Von Sudbury nach Brockville

Im Sommer 2013 gings mit dem Fahrrad wieder an einem der großen Flüsse im Osten Kanadas entlang. Der Ottawa River (oder auch Rivière des Outaouais) entspringt in einem See nordwestlich von Montréal und endet ebendort im Sankt-Lorenz-Strom. Über eine lange Strecke ist der Ottwa River der Grenzfluss zwischen Ontario und Québec.

Eigentlich liegen Sudbury und auch Brockville in Ontario. Da aber diese Tour zu einem großen Teil durch Québec ging, habe ich sie auch darunter eingeordnet.

Irgendwie musste ich dort hinkommen und Fahrrad und Gepäck mitbringen. Da erinnerte ich mich an meine Tour in 2007, als ich mit dem Zug quer durch Kanada nach Alberta gefahren bin. Der erste Halt des Canadian nach Toronto ist Sudbury nördlich des Lake Huron. Das ist gar nicht so weit weg vom Ottawa River und so nahm ich wieder diesen Zug.



Der Canadian fährt abends in Toronto los und kommt am frühen Morgen in Sudbury an. Dort wurde nur für mich gehalten, und es hatte schon etwas von Wildweststimmung, als der Zug langsam verschwand und mich in der morgentlichen Einsamkeit zurückließ…

Zu Sudbury gibt es nicht viel zu sagen. Nach meinem Frühstück beim Tim Hortons machte ich mich auf den Highway 17 Richtung North Bay.

Der Ontario Highway 17 war meine Strecke für die nächsten Tage, und ist leider denkbar ungeeignet für Fahrradfahrer. Der Abschnitt von Sudbury nach North Bay ist über dutzende von Kilometern schnurgerade und langweilig. Schlimmer war allerdings, dass es keinen befestigten Seitenstreifen gibt, und viele Trucks und Urlauber mit Campingbussen und Anhängern unterwegs waren, die keine Ahnung von der Größe ihrer Fahrzeuge hatten. Das hat mich insbesondere auf den bergigen Abschnitten zwischen North Bay und Pembroke ein paar Mal in heikle Situationen gebracht.


Dank gutem Rückenwind, flacher Strecke, und einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit brachte ich die 145 km von Sudbury nach North Bay schnell hinter mich und fand dort ein Motel direkt am Lake Nipissing. Das war zwar teuer, aber der Zugang zum See bei tollem Wetter entschädigte dafür.

Der nächste Halt nach North Bay war der Samuel de Champlain Provincial Park, wo ich mein (sehr kleines) Zelt aufgebaut habe. Das war nur eine kurze Strecke, für die ich Nebenstraßen wählte, die mich bei dem pittoresken Ort Bonfield vorbei brachten. Im Provincial Park habe ich dann noch eine kleine Wanderung gemacht, bevor ich an Abend in den Moore Lake gesprungen bin.

Weiter gings auf dem Highway 17 bis nach Deep River. In Mattawa stieß ich dann endlich auf den Ottawa River. Das war eigentlich eine schöne Strecke aber wegen der schon beschriebenen Situation auf dem Highway, war ich froh, als ich damit durch war und legte in Deep River erst einmal einen Pausentag ein.

Auf der nächsten Etappe wechselte ich nach Pembroke auf die nördliche Seite des Ottawa River und von Ontario nach Québec, und schon war alles ganz anders. Hier beginnt die Route Verte, Québecs tolles Fahrradwegnetzwerk. Zwar ist die Route hier nicht asphaltiert, und ich kam nicht besonders schnell voran, dafür kann man aber mehr auf die Natur und weniger auf die Autos achten.

Mein Etappenziel war Fort Coulonge, und ich hatte noch Zeit, die nahegelegenen Chutes Coulonge zu besuchen. Auf die Büffelherde traf ich kurz vor den Wasserfällen. In Fort Coulonge, beziehungsweise Mansfield-et-Pontefract, steht übrigens auch die Pont Félix-Gabriel-Marchand vom Titelbild dieser Seite.

Nach Fort Coulonge ging es erst auf den Cicloparc PPJ, einem Rail Trail, und dann über den Highway 148 bis nach Gatineau.


In Gatineau und Ottawa blieb ich erst einmal zwei Tage, aber darüber gibt es eine extra Seite.

Von Gatineau aus ging es weiter auf der Route Verte bis zum Parc National de Plaisance. Teilweise über schöne Radwege aber leider größtenteils entlang dem Highway 148.

Der Parc National de Plaisance besteht aus mehreren Inseln und Halbinseln im Ottawa River. Es gibt dort viele Wege zum Wandern und Radfahren, Aussichtstürme, und auch Stege durch die Feuchtgebiete.


Auf dem Campingplatz werden spezielle Plätze für Radwanderer angeboten, die etwas abseits liegen. Das habe ich natürlich ausgenutzt.

Der nächste Wasserfall (Chutes de Plaisance) war auch nicht weit.

Immer weiter ging es am Ottawa River entlang. Vorbei am Manoir Papineau in Montebello und dem Centrale de Carillon, einem Laufkraftwerk, das den Flusswasserstand um 19 Meter angehoben und damit einen ganz ordentlichen See geschaffen hat. Der Yoyageur Provincial Park liegt an dessen südlichem Ufer in Ontario.

Kurz vor dem Kraftwerk zweigt die Route Verte ab und geht durch L’Ile-aux-Chats und Saint-André-Est, wobei sie den Rivière du Nord in einem Park überquert.

Dann erreicht man auch schon den Lac des Deux Montagnes, wo der Ottawa River in den Sankt-Lorenz-Strom endet. Das heißt, zwei Arme des Ottawa fließen aus dem See erst einmal nördlich um Montréal herum bevor auch sie in den Sankt-Lorenz münden.

Bei Oka habe ich mit der Fähre wieder auf die südliche Seite des Ottawa River übergesetzt, wo ich in Dorion übernachtet habe.

Eigentlich wäre mit dem Ottawa River auch meine Tour zu Ende, aber da ich noch Zeit hatte, bin ich einfach am Sankt-Lorenz entlang Richtung Toronto gefahren.

Ich fuhr erst einmal am 23 km langen Soulanges Canal entlang. Der Kanal was von 1899 bis 1958 in Betrieb und wurde dann von dem wesentlich größeren Beauharnois Canal südlich des Sankt-Lorenz abgelöst. Am Soulanges Canal gibt ein kleines Kraftwerk, welches durch den Höhenunterschied zwischen Kanal und Sankt-Lorenz den Strom für die Schleusen und die Kanalbeleuchtung produzierte. Kanal und Kraftwerk verfallen jetzt so langsam, sind aber immer noch ein ganz imposantes Industriedenkmal.

Kurz vor Cornwall kam ich dann wieder nach Ontario, und die Route Verte geht in den Waterfront Trail über. Hier ist die östlichste Brücke zwischen Kanada und den USA über den Sankt-Lorenz-Strom.

Bei Cornwall traf ich auf den Moses-Saunders Power Dam. Der Damm hat den Sankt-Lorenz-Strom zu einem beachtlichem See aufstaut und 10 Gemeinden überflutet. In einem Museum am Kraftwerk kann man etwas über das Projekt und die Folgen erfahren.

Nach dem Kraftwerk kam ich am Upper Canada Village vorbei. Dort wird das Leben in der Region im 19. Jahrhundert nachgestellt. Direkt nebenan ist das Battle of Crysler’s Farm Visitor Centre, wo an eine Schlacht im Englisch-Amerikanischem Krieg von 1813 erinnert wird.

Schließlich kam ich in Brockville an, dem Ende der Tour, und es ging nur noch mit dem Zug zurück nach Toronto.

Apropos Zug… die größte Attraktion in Brockville ist ein Eisenbahntunnel direkt unter dem Stadtkern hindurch. Kanadas erster Eisenbahntunnel wird zwar seit den 1970ern nicht mehr benutzt, aber es gibt immer noch ein Schild: Beware of Trains.