{"id":252,"date":"2008-12-15T18:11:25","date_gmt":"2008-12-15T23:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=252"},"modified":"2020-06-13T08:51:29","modified_gmt":"2020-06-13T13:51:29","slug":"meine-2-cents","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/fahrradinontario.net\/?page_id=252","title":{"rendered":"Meine &#8222;2 Cents&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Und hier sind meine ganz pers\u00f6nlichen Hinweise an alle, die vor haben in Nordamerika ein neuen Leben zu beginnen.<\/p>\n<p>Mein Lebensweg war so, dass ich angesprochen wurde, einen Job hier in Kanada zu \u00fcbernehmen. Die Firma half mir bei der &#8222;relocation&#8220;. Da denkt man nat\u00fcrlich nicht so lange nach, und die Entscheidung war einfach. Ich bin also nicht wirklich ein Auswanderer aus \u00dcberzeugung. Aber bereut habe ich es bisher trotzdem keine Sekunde.<\/p>\n<p>Wenn man sich Internetseiten von Auswanderern anschaut, mit anderen Deutschen hier spricht und sie nach ihrer Motivation gefragt, macht man sich nat\u00fcrlich so seine eigenen Gedanken. Wichtig bei so einer Entscheidung ist, nicht nur die &#8222;f\u00fcr&#8220; zu sehen, sondern auch die &#8222;wider&#8220;. <\/p>\n<p>Dazu meine &#8222;2 Cents&#8220;:<\/p>\n<p><strong>Viele Sachen sind einfach weg<\/strong><br \/>\nDamit meine ich nicht den verlorenen Koffer auf der Flugreise von Frankfurt nach Toronto, sondern die wirklich endg\u00fcltigen Verluste. Das sind haupts\u00e4chlich die Familie und die Freunde. Es soll keiner denken, ich wandere aus und habe sofort den gleichen Freundeskreis und die gleiche gesellschaftliche Geborgenheit wie zuvor. Soo einfach ist das nicht&#8230;.<\/p>\n<p><strong>Die Sprache ist das gr\u00f6\u00dfte Problem<\/strong><br \/>\nEs ist etwas anderes, in der Lage zu sein, beim B\u00e4cker seine W\u00fcnsche zu \u00e4u\u00dfern, als in der Runde in der Kneipe einen Witz zu rei\u00dfen. Was ich damit sagen will, ist, dass viele soziale Kontakte auf Kommunikation und damit Sprache basieren, und anders sind, wenn man eine Sprache erst sp\u00e4ter gelernt hat. Wir sind nicht so schlagfertig und lustig wie mit unseren Kumpels in Deutschland, und man f\u00fchlt sich schon ab und zu als ein Au\u00dfenseiter.<\/p>\n<p><strong>Nordamerika ist durch die englische Kultur gepr\u00e4gt<\/strong><br \/>\n&#8222;Ich schalte das Fernsehen ein, und alles ist englisch&#8220;. Das klingt erst einmal banal, aber es steckt mehr dahinter. Den Blick, den Amerikaner und Kanadier auf die Welt haben, ist anders als der deutsche. Es ist mehr als nur die Sprache, die uns pr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Wir sind, was wir sind<\/strong><br \/>\nProbleme werden nicht dadurch gel\u00f6st, dass man sie geografisch hinter sich l\u00e4sst (naja, einige schon). Wir werden kein anderer Mensch nur dadurch, dass wir die Umgebung \u00e4ndern. Und der Vorsatz, dass wir vieles anders machen werden als wie zuvor, wird selten funktionieren.<\/p>\n<p><strong>Ich will endlich das spie\u00dfige Deutschland hinter mir lassen<\/strong><br \/>\nEin viel geh\u00f6rtes Argument, aber Spie\u00dfigkeit ist etwas sehr Relatives, und jeder definiert es anders, ganz speziell f\u00fcr sich und seine Umgebung. Die einzige Gemeinsamkeit ist wohl nur, dass es etwas ist, was wir nicht sein wollen. Auch in Nordamerika gibt es einige gesellschaftliche Konventionen und Regeln, und die sind teilweise viel schlimmer als in Deutschland. Aber f\u00fcr wen &#8222;nicht-Spie\u00dfigkeit&#8220; sich darauf begrenzt, endlich ein Auto mit einem Verbrauch von 20l\/100 km zu fahren, ohne darauf angesprochen zu werden, bitte sch\u00f6n&#8230;<\/p>\n<p><strong>Jetzt habe ich schon so oft in Amerika Urlaub gemacht, und das ist ganz sicher das Land meiner Tr\u00e4ume<\/strong><br \/>\nDazu die schlechte Nachricht: Urlaub ist etwas anderes als Alltag! Das erste Jahr ist bestimmt noch spannend, so eine Art Dauerurlaub, es gibt soo viel Neues zu entdecken. Aber irgendwann kommt der Alltag und die Erkenntnis, dass das Leben nicht nur aus Urlaub besteht.<\/p>\n<p><strong>Ich bin keine 20 mehr<\/strong><br \/>\nOkay, ich war auch keine 20 Jahre alt als ich den Schritt gemacht habe, aber die Ansage ist: je j\u00fcnger, desto besser. Nicht nur wegen der Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch wegen der sozialen Kontakte. Und das funktioniert mit 20 eben einfach anders. In dem Alter hat noch keiner eine Familie mit entsprechenden Verpflichtungen, sondern ist eher bereit, jemanden aus einem anderen Land kennenzulernen und zu integrieren.<\/p>\n<p><strong>Kanada ist Multikulti, aaaber&#8230;<\/strong><br \/>\n &#8230;die Kulturen vermischen sich nicht wirklich. Zumindest nicht in der ersten Generation. Irgendwann findet man sich in der gemeinsamen Nation und der Sprache Englisch (oder Franz\u00f6sisch), aber es sind in der Regel nicht die Auswanderer, die diesen Schritt vollziehen, sondern die hier geborenen. Das hei\u00dft, man lebt in Kanada in einer multikulturellen Gesellschaft, aber viele verbringen ihr Leben gr\u00f6\u00dftenteils auf einer Insel zusammen mit ihren Landsleuten. Jeder kann seine Umgebung hier selbst w\u00e4hlen und sogar sein Leben lang hier verbringen, ohne ein Wort Englisch zu lernen. Gut f\u00fcr die einen, aber viele sto\u00dfen sich auch daran. Es gibt in den meisten kanadischen St\u00e4dten eine deutsche Gemeinschaft, und man kann seinen Platz darin finden.<\/p>\n<p><strong>Multikulti ja klaar, aber jetzt wird es heikel, denn&#8230;<\/strong><br \/>\n &#8230;das bedeutet etwas, und zwar die Philosophie in Kanada ist, dass jeder darf seine  Religion ausleben, und der religi\u00f6se Einfluss auf Politik und Gesellschaft soll so klein wie m\u00f6glich sein. Und so muss auch die eigene Einstellung sein, wenn man sich in Kanada wohlf\u00fchlen m\u00f6chte. Sonst h\u00f6rt man nicht auf, sich den Kopf wund zu sto\u00dfen. Oder anders gesagt, man muss akzeptieren, dass die eigene Religion oder Lebensweise (was oder wie immer es auch sein mag) nur eine unter vielen ist.<\/p>\n<p><strong>Kanada liegt hoch im Norden und ist bitterkalt<\/strong><br \/>\nDenken viele, stimmt aber nicht wirklich. Kanada ist riesig gro\u00df, und auch wenn es bis zum Nordpol reicht, liegt S\u00fcdontario doch tats\u00e4chlich weiter im S\u00fcden als Deutschland. Der s\u00fcdlichste Punkt in Kanada liegt auf gleicher H\u00f6he wie Rom oder Nordkalifornien, und in Toronto knallt die Sonne im Sommer so stark wie in Marseille.<\/p>\n<p><strong>Auswandern&#8230; versuchen wir es doch einmal&#8230;<\/strong><br \/>\nKlar, ich verfolge auch die Seiten anderer selbsternannter Auswanderer. Meistens kommt die Motivation daher, dass nach Kanada auswandert wird, um irgend etwas hinter sich zu lassen, oder versucht wird, sich neu zu erfinden. Das funktioniert meistens nicht wirklich. Mit ziemlicher Regelm\u00e4\u00dfigkeit kommen f\u00fcr ein paar Jahre lang Blogs mit tollen Abenteuern, und dann irgendwann einmal die Nachricht, dass man sich dann doch anders entschieden hat, und zur\u00fcckgewandert ist. <\/p>\n<p><strong>Zusammengefasst<\/strong><br \/>\nIch will niemandem seine Pl\u00e4ne ausreden, und mein Ratschlag ist einfach nur, bitte sehr gut dar\u00fcber nachdenken, bevor man diesen gro\u00dfen Schritt in seinem Leben macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und hier sind meine ganz pers\u00f6nlichen Hinweise an alle, die vor haben in Nordamerika ein neuen Leben zu beginnen. Mein <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/fahrradinontario.net\/?page_id=252\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1889,"parent":11,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-252","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=252"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2315,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/252\/revisions\/2315"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1889"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/fahrradinontario.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}